Autonome Shuttles auf dem Land

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18. April 2024, 10:36 Uhr

Artikel: Autonome Shuttles auf dem Land

Autonome Verkehre können den ÖPNV im ländlichen Raum verbessern. Im Rennen um Fördermittel verschafft eine Machbarkeitsstudie wichtige Startvorteile.

Wer bei Pilotprojekten für autonome Verkehre im ÖPNV vor allem an die urbanen Zentren denkt, liegt verkehrt. Wegweisende Projekte finden gerade in ländlichen Räumen statt, etwa im Rhein-Main-Gebiet, in Oberfranken, Niederbayern und Ostwestfalen.

Der Grund dafür: Der demografische Wandel, schwankende Auslastung und heterogene Siedlungsstrukturen machen auf dem Land ein attraktives und bezahlbares ÖPNV-Angebot zu einer besonderen Herausforderung. Selbstfahrende Shuttlebusse, die den ÖPNV gezielt ergänzen, können eine Antwort darauf sein. Allerdings ist, wie bei jeder neuen Technologie, aller Anfang erst einmal schwer.

Viele Fragen sind zu beantworten, viele Voraussetzungen zu bedenken. Welche Strecken eignen sich technisch und bieten zugleich Nachfragepotenzial? Welche Fahrzeuge kommen infrage? Welcher Automatisierungsgrad wird angestrebt? Wie steht es um Datenkonnektivität, Datensicherheit und rechtliche Rahmenbedingungen? Wie kann die Ladeinfrastruktur der elektrisch betriebenen Fahrzeuge gewährleistet werden? Und vor allem: Was wäre der Kostenrahmen für eine Realisierung?

Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt die Machbarkeitsstudie „Autonomes Fahren Ostfriesland“, die die Weser-Ems-Bus und der Bereich „Innovative Verkehrsprojekte“ von DB Regio Straße für die Landkreise Aurich und Friesland erstellt haben. Dennis Jäger von Weser-Ems-Bus präsentierte die Ergebnisse Anfang Februar dem Ausschuss für Bauen und Mobilität in Jever. Für den Landkreis Friesland fasst die Machbarkeitsstudie einen Pendelverkehr mit Elektroshuttles zwischen Wilhelmshaven und Schillig in der Gemeinde Wangerland ins Auge. Die rund 22 Kilometer lange Verbindung mit 15 angedachten Haltepunkten eignet sich technisch, auch das Fahrgastpotenzial wäre groß: Wangerland ist ein beliebtes Urlaubsziel, im Badeort Schillig befindet sich einer der größten Campingplätze Europas. Für den Kreis Aurich schlägt die Machbarkeitsstudie einen autonomen Shuttleverkehr zwischen Norden und Norddeich vor.

Projekte zu autonomen Verkehren zielen darauf ab, Erkenntnisse für die Praxis zu gewinnen und der Technologie flächendeckend zum Durchbruch zu verhelfen. Ihre Realisierung hängt maßgeblich von Fördermitteln ab. Deshalb können Machbarkeitsstudien auch noch keine Blaupause für die Umsetzung sein, erläutert Stefan Kretzschmar, Teamleiter Autonomes Fahren im Bereich „Innovative Verkehrskonzepte“ von DB Regio Straße. Ein konkretes Projekt habe immer zu berücksichtigen, welche Erwartungen ein Fördermittelgeber daran knüpft. Im Rennen um Fördermittel verschaffe eine Machbarkeitsstudie aber einen klaren Startvorteil, so Kretzschmar. „Wir verfolgen die Förderaufrufe ganz genau. Finden wir eine passende Förderkulisse, können wir mit der Grundlage der Machbarkeitsstudie unmittelbar reagieren.“

Falls es grünes Licht gibt, kann dann auch die Umsetzung schnell gehen. Für die Szenarien der Machbarkeitsstudie für Friesland geht Dennis Jäger davon aus, dass bei einem Projektstart Anfang 2025 ab Mitte 2026 die ersten Testfahrten beginnen könnten.

Unter dem Titel „Machbar: Autonome Shuttles auf dem Land“ bot DB Regio Straße am 12. März von 10-10:30 Uhr einen „Impuls-Nugget“ an. Die virtuelle Session dauerte 30 Minuten. Mit dabei waren Stefanie Pflug, ÖPNV-Koordinatorin des Landkreises Friesland, und Stefan Kretzschmar, DB Regio Straße, Teamleiter Autonomes Fahren des Bereichs Innovative Verkehrskonzepte. Weitere Informationen und die Aufzeichnung finden Sie hier.